koop oethg

Akustik und Architektur gehen nicht immer Hand in Hand. Niemand weiß dies besser als Akustik-Experten wie Klaus-Hendrik Lorenz-Kierakiewitz.

Dipl.-Phys. Klaus-Hendrik Lorenz-­Kierakiewitz arbeitet als Projektleiter für Raum-, Elektro- und Bauakustik bei der Peutz Consult GmbH Düsseldorf und promovierte über europäische Konzertsäle an der Universität zu Köln. Foto: Starmühler

Was begeistert Sie an der Raumakustik?

Das Großartige dabei ist die Möglichkeit, den Klang von Stimmen und Instrumenten sowie die Verständlichkeit des akustisch Dargebotenen weitgehend beeinflussen zu können – das ist ein sehr kreativer Akt, dessen Ergebnis sehr begeistern kann, wenn hinterher alles stimmt.

Warum werden manche modernen Konzert- und Opernhäuser aufgrund ihrer Akustik kritisiert?

In der Regel werden solche Vorhaben über Architekturwettbewerbe begonnen anstelle eines Akustik(er)-Wettbewerbs. Entscheider sehen leider selten die Notwendigkeit, der Akustik Priorität vor der Architektur einzuräumen und noch seltener wird das zielführende Mittel von ZweitgutachterInnen eingesetzt, womit eine gute Akustik fast garantiert werden kann, wenn auch die ersten Skizzen und Vorgaben bereits von guten AkustikerInnen begleitet werden.

Raumakustik ist ein kreativer Akt, dessen Ergebnis sehr begeistern kann.

Welches Projekt forderte Sie am ­meisten heraus?

Die denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung der Tonhalle Düsseldorf von 2004 bis 2006. Der Saal galt wegen eines enormen Echos durch seine Halbkugel-Form als einer der schlechtesten im deutschen Sprachraum. Um dies zu verbessern, untersuchte die Peutz Consult eine Vielzahl an raumakustischen Maßstabsmodellvarianten und machte aus der optisch erhaltenen Halbkugel akustisch quasi einen Quadersaal – mithilfe von Umlenkkörpern.

Was sagen Sie zum Trend hin zu einer multifunktionalen Nutzung?

Wenn dem durch gut, einfach, narrensicher bedienbare, variable architektonische und somit auch die Raumakustik ändernde Maßnahmen Rechnung getragen wird, damit sich der Klang des Raums mit der Darbietung ändern kann, kann das gut funktionieren, wie z. B. im niederländischen Theater „De Spiegel“ in Zwolle.

Ihr Wunsch für die Zukunft der Raumakustik?

AuftraggeberInnen und ArchitektInnen davon zu überzeugen, dass eine gute akustische Beratung von Beginn an Sinn macht – und wir nicht, wie allzu oft, erst hinzugezogen werden, wenn die Rahmenbedingungen in einem Projekt eigentlich keine erstklassigen Lösungen mehr zulassen.

Zur Person

Dipl.-Phys. Klaus-Hendrik Lorenz-Kierakiewitz arbeitet als Projektleiter für Raum-, Elektro- und Bauakustik bei der Peutz Consult GmbH Düsseldorf und promovierte über europäische Konzertsäle an der Universität zu Köln. Seit 1995 hat er über 600 Tonaufnahmen von Live-Konzerten und Studioaufnahmen durchgeführt, seit 2012 ist er Lehrbeauftragter für Raumakustik am Institut für Musikwissenschaft an der Universität Wien.

Interview Stefanie Widowitz

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite benutzerfreundlicher zu gestalten. Wenn Sie diese Webseite nutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.