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Innerhalb von 30 Minuten waren beide Konzerte von Ausnahmemusiker Ed Sheeran Ende Juni in Klagenfurt ausverkauft. Prospect spricht mit Chris Marsh, seinem Produktionsmanager und FOH Engineer, über Ed Sheerans Weg zur großen Bühne und die technischen Herausforderungen dahinter.

Chris Marsh ist seit beinahe zehn Jahren der FOH Techniker von Ed Sheeran. Foto: Ralph Larmann

33.000 Personen im Wörthersee Stadium in Klagenfurt, die der Bühne zujubeln. Dort steht Ed Sheeran allein – ohne Chor, Band oder Orchester – und genießt sichtlich jeden Moment in dem das Publikum seine Lieder mitsingt und sich von den Geschichten, die seine Songs erzählen, berühren lassen. Sein Auftritt, ist nah, persönlich und fühlt sich so intim an, wie ein Privatkonzert. Chris Marsh, Produktionsmanager und FOH Engineer von Ed Sheeran, spricht mit Prospect über seine Arbeit.

Prospect: Sie sind mit Ed Sheeran seit 2010 unterwegs. Seither wurden seine Auftritte immer größer und Sie sagten in einem Interview, dass Sie die Chance hatten gemeinsam mit ihm zu wachsen. Wie herausfordernd war es für Sie und Ihr Team die Soundqualität auch in so großen Locations zu behalten und welche Adaptionsprobleme mussten Sie bewältigen?

Chris Marsh: Probleme und Herausforderungen gab es viele. Wir sind von kleinen Theatern und Clubs zu großen Stadien gewachsen und es ist eine große Herausforderung im Sounddesign sicher zu stellen, dass jeder Gast im Stadium guten Sound zu hören bekommt. Diese Zeit, in der wir versuchten dies zu erreichen, ohne zu viele Plätze zu verlieren und das Soundkonzept in das Showdesign zu integrieren, war eine Herausforderung. Aber nicht nur die Veranstaltungsorte veränderten sich. Auch Ed’s Songs haben sich seit dem Repertoire der ersten Tour weiter entwickelt. Die Loopstation, die wir ursprünglich verwendeten (Boss RE20) konnte die Songs nicht mehr so wiedergeben und reproduzieren wie wir es von ihr verlangten. Wir haben einige Jahre damit verbracht, eine neue Loopstation zu entwickeln, die unsere Ansprüche erfüllt.  

Prospect: Ed Sheeran ist einer der wenigen Weltstars, der allein auf der Bühne steht. In einem Interview für Lightning Sound America sagten Sie: „Alles was du (als FOH Engineer) tust ist komplett freigelegt und offen für Kritik. Es ist nichts im Mix versteckt. Es gibt zwar nicht viele Dinge, um die man sich kümmern muss, aber die müssen die gesamte Zeit genau richtig sein.“ Was tun Sie, wenn wirklich etwas schief läuft? Verlassen Sie sich komplett auf Ed?

Chris Marsh: Alles ist 100% live, die einzige Form von Backup, die wir haben, sind Ersatzgitarren, falls eine Saite reißt und das Loopersystem mit aktivem Backup, das synchron mit dem Looper läuft, den er benutzt. Musikalisch ist alles live, es kommt von Ed’s Gitarre und seiner Stimme. Ed hat Möglichkeiten, Schleifen "rückgängig zu machen", wenn sie falsch sind, aber in den meisten Fällen, gibt es wenig, was wir tun können. Ich benutze Gating und Kompression, um Fehler in den Loops zu verstecken. Insgesamt sind es aber nur zwei Instrumenten, mit denen man arbeiten kann, es gibt keinen Platz für Fehler.

Wir verbringen viel Zeit mit der Platzierung der Lautsprecher und der Abstimmung des Systems, um sicherzustellen, dass Ed auf der Bühne nicht nur ein visueller, sondern auch ein hörbarer Fokus ist.

Chris Marsh, FOH Techniker Ed Sheeran

Prospect: Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie jede Show aufnehmen und analysieren. Tun Sie das immer noch? Und was können Sie daraus mitnehmen?

Chris Marsh: Ich nehme immer noch jede Show auf. Dies hilft uns, eventuell aufgetretene Probleme zu analysieren und zu versuchen, Wege zu finden, sie für die Zukunft zu vermeiden. Außerdem verwende ich einen virtuellen Soundcheck, um die PA-Anlage täglich zu überprüfen, da Ed vor dem Auftritt keinen Soundcheck macht.

Prospect: Während der Tour ist jede Location anders. Wie viel von Ihrem Sound-Setup passen Sie dafür an und was verändert sich nicht?

Chris Marsh: Im Allgemeinen sind die einzigen Änderungen, die wir vornehmen, die Konfigurationen der Delays und der Side Hangs. Die Main Hangs bleiben ident, da sie immer eine Fläche von der Größe eines Fußballplatzes abdecken. Die Subbass-Konfiguration verändert sich ebenfalls nicht, da es bei dieser Konfiguration mehr darum geht, die Leistung gleichmäßig zu verteilen.

Prospect: Ed Sheerans Auftritt ist sehr nah am Publikum, seine Songs erzählen Geschichten, mit denen sich seine Fans identifizieren können. Der Auftritt gibt den Fans das Gefühl, dass seine Performance ganz persönlich, echt und irgendwie intim ist. Der Sound transportiert das perfekt. Wie machen Sie das möglich?

Chris Marsh: Ich bin der Ansicht, dass sich das Konzert für jeden Zuschauer intim anfühlen sollte. Wenn nur eine Person auf der Bühne steht, liegt der Fokus wirklich auf ihm: Jede Bewegung, die er macht, jedes Wort, das er singt, ist wichtig. Ich kann es nur damit vergleichen, dass die Pointe eines Komikers von jedem Mitglied des Publikums gehört wird muss: Es ist das, wofür das Publikum gekommen ist. Meyer Sound Produkte sind für uns entscheidend, um dies zu erreichen. Es gibt ein paar erstklassige PA-Systeme, die wir verwenden könnten, aber die Meyer-Systeme haben eine Tiefe, die den Klang, der von ihnen kommt, immersiv macht. Du spürst, dass die Stimme direkt vor dir ist. Wir verbringen viel Zeit mit der Platzierung der Lautsprecher und der Abstimmung des Systems, um sicherzustellen, dass Ed auf der Bühne nicht nur ein visueller, sondern auch ein hörbarer Fokus ist. Ich habe das große Glück, einen Künstler und ein Management zu haben, die immer an Bord waren, wenn es darum ging dem Publikum das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Sie haben nie Budget zurückgehalten, um bei Bedarf mehr PA zu bekommen.

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