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3 FRAGEN AN: Martin Seidl, CEO der Austrian Audio GmbH in Wien. Er sieht in Zukunft ein mögliches Nebeneinander von Live-Events und Streaming-Performences.

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Martin Seidl, Austrian Audio, kann sich ein Nebeneinander von Live und digital vorstellen. Foto: AA

Wie bewältigen Sie mit Ihrem Team die aktuelle Situation, was sind die größten Herausforderungen der nächsten Monate?
Martin Seidl: Die „aktuelle“ Situation ist eigentlich eine sich ständig ändernde, speziell für Unternehmen, die in der kreativen und Kulturbranche tätig sind, wie AUSTRIAN AUDIO. Es ist aus heutiger Sicht ja noch völlig unklar in welche Richtung sich die Richtlinien für Events entwickeln werden, wann und in welcher Form Veranstaltungen möglich sein werden. AUSTRIAN AUDIO entwickelt und produziert hochwertige Mikrofone für Studio, Musiker und Eventtechnik. Alles Zielgruppen, die ob des kulturellen Lock-down finanziell ausgeblutet sind. Selbst wenn Anfang 2021 mit kleinen und mittleren Events wieder gestartet werden kann, werden sich neue Investitionen in sehr engen Grenzen halten. Ebenso fließend gehen wir mit der Situation um. Auch AUSTRIAN AUDIO musste die gesamte Belegschaft in Kurzarbeit schicken, ausgenommen die MitarbeiterInnen der Produktion unserer Kopfhörer Hi-X55 und Hi-X50. Denn Lock-down hat die Nachfrage nach Kopfhörern für Kreative, die zu Hause gearbeitet und Produziert haben, in die Höhe schnellen lassen. Hochwertige Mikrofone für Events und Studioproduktionen, hingegen, blieben in den Regalen. Auch die Entwicklung musste zurückgefahren werden. Wir haben mit Home Office versucht immer so wenig MitarbeiterInnen wie möglich im Haus zu haben. Schichtbetrieb in den Labors und Messtechnikräumen eingeführt und die Produktionsräumlichkeiten erweitert um genug Abstand zwischen allen MitarbeiterInnen zu haben. Die Herausforderungen für die nächsten Monate sind mit Augenmaß und viel Flexibilität offene Projekte so abzuschließen, dass wir bei einem zarten Re-Opening der Kulturszene mit neuen Produkten und entsprechenden Innovationen am Start sind. Zu früh würde Kapital binden, das sich nicht drehen lässt. Den Wiederstart zu verpassen ebenso fatal.

Welche Veränderungen sehen Sie mittel- oder langfristig auf die Unternehmen in Ihrer Branche zukommen?
Das ist sehr schwierig zu sagen. Es mussten sehr viele Branchenevents (Messen, Kundenveranstaltungen, etc) abgesagt werden. Die Versuche die Branche alternativ virtuell zusammenzubringen waren interessant, aber nicht sehr erfolgreich. Allerdings wurden bereits jetzt schon wieder die größten Branchenmessen im Jänner in USA abgesagt, also werden wir uns noch viel den Kopf über alternative Launch-Events und Kundenpräsentationen zerbrechen. Social Media ist dabei natürlich ein großes Thema, War es aber auch schon bisher parallel zu den Live-Events. Ich denke aber schon, dass Kultur und Musik aus unserer Gesellschaft nicht langfristig wegzudenken sind. Es wird wieder Veranstaltungen und Produktionen im großen Stil geben. Dazu braucht es kreative Menschen und die Brauchen Werkzeuge um ihre Arbeit umzusetzen. Im Bereich der Installierten Akustik wird sich der Trend zu kleinen bis mittelgroßen Meeting und Konferenzräumen weiter verstärken. Viele Konferenzen konnten erfolgreich online abgewickelt werden. Diese Einsparung bei Reise und Präsentationskosten werden sich viele Unternehmen nicht mehr wegnehmen lassen. Da sehe ich schon eine Veränderung in Richtung ‚“online, was in der Krise ohne Reibungsverluste online funktioniert hat“.

Welche Initiativen und Ideen (Video-Performances, Outdoor-Events, ...) könnten auch nach der Krise Bestand haben?
Aus unserer Sicht wird sich das Streamen von Konzerten und Events, sowie deren Zweitvermarktung über On-Demand Video, weiter etablieren und an Bedeutung gewinnen. Das Knowhow, die Technologie und die Infrastruktur für das Online Streaming hat sich in den vergangenen Monaten auch in Österreich stark weiterentwickelt. Siehe z.B. die Stream Austria Konzerte die von den Zuseher-Zahlen her schon recht gut funktioniert haben. Ein weiteres positives Beispiel ist das Porgy & Bess mit ihrer Live Streaming Initiative „The Show must go on(line)“, die wir seit Beginn an aktiv unterstützen. Eine Mischung aus Live vor Ort Experience und Online Streaming könnte in naher Zukunft die Norm und ein attraktives neuartiges Businessmodell sein. Wir befinden uns hier erst am Anfang. Auch das virtuelle miteinander Musizieren und produzieren, wie wir es mit unserem AUSTRIAN AUDIO Song & Video „We Are“ während des Corona Lock-down gemacht haben, wird an Bedeutung gewinnen. Sicher wird aber – sobald es wegweisende medizinische Entwicklungen zur Bekämpfung des Covid19 Virus gibt – das Erlebnis Live-Event wieder zum unverrückbaren Bestandteil der Kulturszene werden.

Vielen Dank!

(hst)

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