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Die Maskenbildnerei begleitet eine lange Geschichte und ist dank neuer Technologien und Materialien spannender denn je. Ein Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Auf der jährlich in Düsseldorf (DE) stattfindenden make-up artist design show (mads) zeigen Profis und Nachwuchstalente, was Maskenbildnerei heute alles kann. Foto: Messe Düsseldorf// ctillmann

Das Make-up für Film und Bühne war bis vor einigen Jahrzehnten noch sehr unterschiedlich: Die Bühnenschminke musste markant, stark und überzeichnet sein – besonders in den großen Opern, wo durch den Orchestergraben noch zusätzliche Distanz zu überwinden war – schließlich sollte die Maske auch von Zusehern in der letzten Reihe dem Charakter entsprechend erkennbar sein. In der Stummfilmzeit um 1900 wurde diese Art der Schminke übernommen, allerdings mit einer oft sehr unnatürlichen Farbgebung, da die Grautöne des Schwarz-Weiß-Films manche Farben zu blass wiedergaben. Mit der Weiterentwicklung des Films musste das Make-up angepasst werden. Farbfilm und Kamera-Close-ups veränderten die Make-up-Technik bis in die heutige Zeit. Durch die Entwicklung der Lichttechnik und der auf Natürlichkeit setzenden Regie gibt es heute kaum mehr Unterschiede zwischen Film- und Bühnen-Make-up.

Von Latexteilen bis zum 3D-Drucker

In den späten 30er-Jahren kam es zu einem technischen Durchbruch beim Film-Make-up. Die Foam Latex Technology ermöglichte es, vorgefertigte Maskenteile direkt auf das Gesicht des Schauspielers zu kleben und diese mittels Negativformen zu vervielfältigen. Der amerikanische Maskenbildner Jack Dawn (1892 – 1961) setzte die neue Make-up-Technik erstmalig in dem Film „The Wizard of Oz“ (1939) ein. Dick Smith, ebenfalls amerikanischer Maskenbilder (1922 – 2014; bekannt durch „The Exorcist“), hat diese Technik in den 1960ern zur Perfektion – ja fast zu einer eigenen Wissenschaft – getrieben. Sie gilt heute noch als Basis für die Herstellung von aufwändigen Hollywood-Make-ups. In der Filmindustrie werden traditionelle Techniken mit Computer Generated Images (CGI) kombiniert und ergänzt, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend wichtiger und dominanter geworden sind. Für das Zeichnen und Kolorieren gibt es spezielle 2D-Design-Software, für das Modellieren direkt am Computer steht eine 3D-Software wie Z Brush zur Verfügung. Während herkömmliche Techniken ausschließlich Addition ermöglichen, können Make-up-Artisten mit CGI Stellen vom Gesicht oder Körper eines Schauspielers subtrahieren und überzeugendere Charaktere schaffen. Die Vereinbarkeit von Make-up und CGI wurde in den Filmen Terminator und Jurassic Park erstmals bewiesen. Da aber das „echte“ Make-up trotz Kombination mit CGI nicht wegzudenken ist, versucht man heutzutage den Formenbau digital mittels 3D-Druckers zu revolutionieren. Diese Entwicklung wird die Branche in den nächsten Jahren noch intensiv beschäftigen, sind die Ergebnisse – verglichen mit der klassischen Technik – aktuell noch nicht zufriedenstellend.

Rob Burman: Silikonteile-Application Demo 2017 bei Maske-Wien www.maske-wien.com/meisterklassen Foto: Armin Bardel

Positivform Polyurethan mit Gelatineteilen Foto: Herbert Zehetner

Nicht erkennbar: die Gelatineprosthetics an Nase, Kinn, Wangen und Hals; Akademietheater 2009 „Die Väter“. Foto: Herbert Zehetner

Silikonteile und -formen (Rob Burman) Foto: Armin Bardel

Ausbildung zum Beruf Maskenbildner/in

Seit Anfang Juli gibt es in Österreich eine dreijährige Lehrausbildung, die den Erwerb des Berufstitels Maskenbildner/in erstmalig ermöglicht. Dabei wird das vielfältige Tätigkeitsfeld dieses Berufs vermittelt, das im Bundesgesetzblatt mit der Ausbildungsverordnung umfassend beschrieben und verpflichtend festgelegt ist. Der moderne, kompetenz­orientierte Rahmenlehrplan ist ebenfalls vom Unterrichtsministerium herausgegeben und die Berufsschule „Frisur, Maske und Perücke“ hat den Landeslehrplan darauf abgestimmt. Um mit dem Berufstitel Maskenbildner/in im Theater sowie bei Bühnen-, Foto-, Film- und Fernsehproduktionen (inklusive hochauflösender Medien) tätig sein zu können, werden die theoretischen Kenntnisse im Rahmen der Ausbildung bei den teilnehmenden Lehrbetrieben praktisch angewandt.

Möglichkeiten zur Weiterbildung

Das Tätigkeitsfeld der Maskenbildnerei ist groß und die Materialien sind einem stetigen Wandel unterzogen. Selbst nach abgeschlossener Ausbildung ist es gerade in diesem Beruf wichtig, sich regelmäßig weiterzubilden. Für berufserfahrene Maskenbilder gibt es ein breites Angebot an Kursen, Workshops, Schulungen etc., zu denen u. a. auch erfahrene Hollywood-Star-Maskenbildner wie Brian Wade oder Rob Burman als Vortragende nach Österreich kommen.

Termintipp

make-up artist design show (mads)
Fachmesse für Maskenbildner und Visagisten
am 30. und 31. März 2019 in Düsseldorf (DE)
www.make-up-artist-show.de

Von Katharina Gräser und Herbert Zehetner

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