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Rituelle Schminke und Masken begleiten die Menschheit seit Jahrtausenden. Die vorgesetzte Maske findet immer schon und in all ihren Formen im Theater Anwendung. Die heuer erstmals in Österreich beginnende Lehrausbildung für MaskenbildnerInnen misst diesem Handwerk nun die Anerkennung bei, die es verdient.

Auf der Fachmesse „make-up artist design show“ (mads) in Düsseldorf zeigen MaskenbildnerInnen, wie vielfältig und kreativ ihr Beruf ist. Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann

Der Beruf „MaskenbildnerIn“ begann mit der Filmproduktion Anfang des 20. Jahrhunderts. Bis in die 50er-Jahre wurden MaskenbildnerInnen jedoch oft noch als Theater- oder FilmfriseurInnen bezeichnet, obwohl schon damals dreidimensionale Veränderungen mit plastisch formbaren Materialien direkt an den DarstellerInnen angelegt wurden – allerdings mehr oder weniger filmgerecht. „Durch den Einfluss der US-Filmindustrie ab den 60er-Jahren kamen neue Maskentechniken auch im Theater zur Anwendung. Die Berufsbezeichnung MaskenbildnerIn wurde zum Synonym für Qualität in der Branche“, weiß Herbert Zehetner, Leiter der OETHG-Fachgruppe Maske.

Angeregt durch den Film „Planet der Affen“ in den 70er-Jahren wurde die Umsetzung mit dreidimensionalen Latexschaummasken auch im Theater verlangt. Der damit notwendige spezielle Formenbau wurde Teil des Berufs und die Bemühungen, Maskenbilden als eigenständigen Beruf in Österreich zu etablieren, begannen. Nach langjährigen, intensiven Verhandlungen ist es nun endlich gelungen: Die Vorbereitungen für den im Oktober 2018 erstmals startenden Lehrberuf laufen auf Hochtouren.

MaskenbildnerIn – ein neuer Lehrberuf feiert Premiere

Bisher gab es für MaskenbildnerInnen in Österreich keine spezielle Ausbildung. Die Lehre zur/zum FriseurIn und PerückenmacherIn war ein zeitraubender Umweg, denn trotz gemeinsamer Entwicklungen sind die Anforderungen im Berufsalltag ganz unterschiedlich. „Mit der Berufsanerkennung kann die längst überfällige eigenständige Ausbildung zur/zum MaskenbildnerIn verwirklicht werden“, freut sich Zehetner. Als leidenschaftlicher Maskenbildner hat er sich jahrelang für diese Ausbildung eingesetzt und die Inhalte des neuen Lehrberufs konzipiert. „Die umfangreichen praktischen und theoretischen Ausbildungsinhalte in nur drei Jahren Lehrzeit unterzubekommen sind eine logistische, fachliche und finanzielle Herausforderung für die Berufsschule. Sie kann nur mithilfe der Unterstützung und aktiven Mitarbeit der AusbildnerInnen in den Lehrbetrieben gelingen“, so Zehetner weiter. Umso erfreulicher ist es, dass bereits zahlreiche Betriebe eine Unterstützungserklärung abgegeben haben – darunter u. a. die Bundestheater Holding, die Vereinigten Bühnen Wien sowie renommierte Häuser in den Bundesländern.

Mit der Berufsanerkennung kann die längst überfällige eigenständige Ausbildung zur/zum MaskenbildnerIn verwirklicht werden.

Mehr als nur Schminken und Frisieren

Das Handwerk des Maskenbildens ist breit gefächert. MaskenbildnerInnen müssen die geschminkte Maske über alle Zeitepochen beherrschen. Insbesondere dort, wo die Schminke ihre Grenzen erreicht, beginnt das 3D-Make-up, auch als Prothetics bekannt. Gemeint ist damit die Veränderung durch künstliche, dreidimensional geformte Körperteile mit einem unsichtbaren Übergang in die natürliche Anatomie der DarstellerInnen. Dazu benötigen MaskenbildnerInnen ebenso Haararbeiten im vollen Umfang. Sie nutzen Perückentechniken ebenso wie alle geschichtlichen und modernen Frisur- sowie Bartformen. Die Ausbildung, um all diese Fähigkeiten stilsicher zu beherrschen, ist anspruchsvoll und abwechslungsreich. Die Lehrlinge lernen alles über Materialien, Werkzeuge und Arbeitsabläufe sowohl in der Theorie als auch in der praktischen Umsetzung. Schon im ersten Lehrjahr wird mit Arbeitsköpfen und Monturenbau gearbeitet, Tressier-, Knüpf- und Schmink- und Airbrush-Übungen gehören ebenso zur Ausbildung wie Zeitgeschichte zu Film, TV, Theater, Stilkunde, Kleidung und Zeitepochen. 2021 werden die allerersten, in Österreich ausgebildeten, MaskenbildnerInnen die Theaterwelt bereichern.

Die Ausbildung im Überblick

Start: Oktober 2018
Ort: Berufsschule für Frisur, Maske und Perücke, 1160 Wien
Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Kompetenzfelder: u. a. Schminke, Haararbeiten, Abdrucknehmen, komplette Maskenbilderstellung
Berufsfelder: Theater-, Film- und TV- Betriebe, Fotostudios etc.
Lehrbetriebe und Ausbildungsstätten: Theater und Veranstaltungshäuser österreichweit

Von Amanda Peniston-Bird

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