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In den frühen 90er Jahren wurden vom damaligen „Österreichischen Normeninstitut“ unter meinem Vorsitz eines neu gegründeten „Normenausschusses für Bühnentechnik“ die weltweit ersten umfassenden Bühnentechnik-Normen erarbeitet und im Jahre 1996 die Normen M 9630 Teile 1-4, M 9631 und M 9632 herausgegeben.

Es wurde in der europäischen Union eine neue Bühnentechnische Norm festgelegt. Foto: Unsplash

Um sie auch international bekannt zu machen, stellte damals die Waagner Biró AG eine inoffizielle englische Übersetzung bereit und als Vizepräsident des Technischen Komitees der OISTAT konnte ich auch für deren Verbreitung sorgen. Insbesondere Japan zeigte daran Interesse und lud mich zu einem Vortrag nach Tokio ein. 2007 und 2010 erfolgte eine teilweise Überarbeitung der österreichischen Norm. Im Jahre 2007 folgte Deutschland mit der Herausgabe der DIN 56950.

Europäische Normung

2008 wurde als erster Schritt zur Erarbeitung einer europäischen Norm ein nicht verbindliches „workshop agreement“ mit der Bezeichnung CEN CWA 15902 herausgegeben.

Daraus wurde in den Folgejahren vor allem unter Einbeziehung der existierenden DIN und ÖNORM von einer internationalen Arbeitsgruppe in einem TC (Technical Committee) des Europäische Komitees für Normung CEN  unter Mitarbeit von zwei Vertretern Österreichs (Dipl.-Ing. Florian Oberlehner von der Fa Waagner Biro Stage Systems und Ing. Robert Terp vom TÜV) die EN 17206  „Entertainment technology – Mashinery for stages and other production areas – Safety requirements and inspections“  erarbeitet.

In einem vom Austrian Standards etablierten „Spiegelkomitee“, in dem neben den bereits oben angeführten Personen auch unser Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. Johannes Bättig und der Verfasser dieses Artikels mitgearbeitet und die ÖTHG somit stark vertreten ist, wurde der im Jänner 2019 zugesandte Entwurf durchgearbeitet und ähnlich wie in Deutschland wurden relativ viele Einsprüche formuliert. Nun ist unter Berücksichtigung fast aller Änderungsvorschläge im Dezember 2019 die Norm als Schlussentwurf  in englischer Sprache übersandt worden. Da nun keine Einsprüche mehr möglich sind, ist in Kürze mit der offiziellen Veröffentlichung zunächst in englischer, dann auch in deutscher Sprache zu rechnen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Vergleich zur ÖNORM keine gravierenden Änderungen vorliegen; auf kleinere Details kann in diesem Artikel nicht hingewiesen werden. Die neue Norm ist insofern umfangreicher, als in normativen und informativen Anhängen viele Erläuterungen dargelegt sind. Auf eine wesentliche neue konkrete Forderung, in der die vom Hersteller zur Verfügung zu stellenden Daten hingewiesen wird, möchte ich allerdings hinweisen: In letzter Zeit wurde in der Branche oft auf die Problematik hoher Bremsver-zögerungen bei Not Stopp der Kategorie 0 ( z.B. bei Stromausfall) hingewiesen. In der neuen Norm wird vom Hersteller verlangt, für diesen Störfall die Verzögerungswerte bekannt-zugeben, im Besonderen auch bei kleinen Lasten, da dadurch vor allem spezielle Gefährdungen bei Nutzung eines Hubzuges als Flugwerk auftreten können.

Nach offizieller Veröffentlichung der EN 17206 müssen alle analogen nationalen Normen innerhalb der EU zurückgezogen werden. Davon wird auch ein Teil der österreichischen Normen betroffen sein.

Es gibt Bestrebungen, als nächsten Schritt diese neue Norm auf Basis eines Auftrages der Europäischen Kommission als sogenannte „harmonisierte Norm“ herauszubringen. Ich beantworte gerne Ihre diesbezügliche Anfragen die an die OETHG – Sekretariat OETHG: sekretariat@oethg.at zu richten sind. (Em. O. Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Bruno Grösel)

OISTAT:
französisch:  Organisation Internationale des Scénographes, Techniciens et  Architectes de Théâtre;  
englisch: International Organisation of Scenographers, Theatre Architects and Technicians

CEN:      
französisch: Comité Européen de Normalisation;  
englisch: European Committee for Standardization)

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