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Was es braucht bis ein Elefant ins Kasino kommt. Mervyn Millar hat gemeinsam mit Ingo Berk Wie versteckt man einen Elefanten? für das Kasino am Schwarzenbergplatz inszeniert, ein Familienstück, das man mit, aber auch ohne Kinder anschauen darf. Premiere feiert es am 31. Oktober. 

Die großen, graue Teile der mannshohen Elefantenpuppe sind stabil miteinander verbunden und doch flexibel genug, um auf der Flucht vor Gangstern rasch und leise um die Ecke zu biegen. Foto: Burgtheater, aa

Originaltext aus dem Burgtheater-Newsletter. 

Er ist leichter als er aussieht, der Elefant: Wenn man ihn vorsichtig anstupst, schwingt er in seiner Box wie eine Feder. Die großen, graue Teile der mannshohen Elefantenpuppe sind stabil miteinander verbunden und doch flexibel genug, um auf der Flucht vor Gangstern rasch und leise um die Ecke zu biegen. So rasch und leise wie Elefanten eben um die Ecke biegen können: “Egal wo Khush auftaucht, alle weckt er auf”, heißt es im Stück “Wie versteckt man einen Elefanten”, das Mervyn Millar und Ingo Berk im Kasino am Schwarzenbergplatz auf die Bühne bringen.

Gemeinsam inszenieren die beiden die Geschichte von Tad und Cissy auf ihrer Reise durch Amerika, immer auf der Flucht vor dunklen Gestalten. Vorlage ist der Roman “The Great Elephant Chase” von Gillian Cross, Joel Horwood hat für das Burgtheater eine Bühnenfassung geschrieben, die jetzt uraufgeführt wird.

Millar steigt über zwei Kugeln Elefantenmist, die auf der Bühne liegen, und schiebt die Tür der großen Holzkiste auf. Da steht er, Khush, der Elefant. “Ein indischer Elefant”, sagt Millar, hebt die Stange an, die am Elefantenkopf befestigt ist, und wackelt mit den Elefantenohren.

Vier Puppenspieler*innen braucht es, um Khush lebendig zu machen. Eine spielt den Rüssel, einer steckt in den Hinterbeinen, einer steckt im Kopf und eine in der Brust des Elefanten. “Wir nennen diese Puppenspielerposition das Herz”, erzählt Mervyn Millar, der Elefanten-Schöpfer, “weil sie das Tempo des Tieres vorgibt." Alle Puppenspieler*innen müssen gleichzeitig atmen, sie müssen sich bewegen wie der Elefant und denken wie der Elefant. Das verlangt Genauigkeit und Einfühlungsvermögen. “Und das ist der schwerste Teil des Puppenspielens”, erzählt Mervyn Millar. “Da muss jeder einzelne sein Ego ziemlich zurücknehmen.”

Der mannshohe Elefant im Kasino ist leichter, als er aussieht. Foto: Burgtheater, aa

 

Wie macht man einen Elefanten?

Am Anfang steht der echte Elefant, den man beobachtet zum Beispiel im Zoo. Zwei Fragen nimmt Millar dabei mit, bevor er das Puppentier designt: Was braucht das Publikum, um sich mit Hilfe der Puppe einen Elefanten vorstellen zu können? Und was brauchen die Puppenspieler? Dann beginnt er zu zeichnen. Zeichnungen, die sich mit der mechanischen Seite beschäftigen, solche, die das Material mitdenken und schließlich solche, die den Elefanten – Kush! – dann schon so darstellen, wie er nun in der Box im Kasino steht. Anhand der Zeichnungen wird das Metallgerüst gebaut, das den Elefanten zusammen hält. Hängt das erst einmal in der Werkstattmitte, kann rundherum der Elefant entstehen. Ob man sich das so vorstellen kann, wie eine gebrochene Hand im Gipszimmer eines Krankenhauses? So ähnlich, lacht Millar, nur, dass nicht mit Gips gearbeitet wird, sondern mit einer Art Polyethylenschaumstoff. Er ist in den gesamten Entstehungsprozesses "seiner" Puppen eingebunden, von der ersten Idee bis zur Premiere. Aber bevor es nach dem Bau des Elefanten mit den Proben losgehen kann, musste Khush erst einmal eine Reise auf sich nehmen: Von Großbritannien über den Ärmelkanal bis nach Wien. "In einem großen Van", sagt Millar und lacht, wenn er sich an das Telefongespräch erinnert. "Wie groß ist der Elefant?" – "Elefantengroß" – Pause am anderen Ende der Leitung.

Während Mervyn Millar erzählt, steigt er um den Elefanten herum. "Du weißt ja eigentlich, dass es eine Puppe ist. Aber jeder, der dieses Puppentier sieht, kann sich einen Elefanten hier im Kasino vorstellen." Millar macht einen Schritt beiseite und greift nach dem Elefantenrüssel. Im Zoo hat er die Elefanten sehr gern beobachtet. Ein sanftmütiges Wesen hätten sie, stehen da und schauen dich ganz ruhig und aufmerksam an. Aber der Rüssel, der macht ganz etwas anderes. Und während der Regisseur noch erzählt, greift ein Elefantenrüssel nach deinen Handflächen.

Originaltext aus dem Burgtheater-Newsletter. 

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