koop oethg

Die Liebesgeschichte „Vögel“ lief letzten September im Akademietheater. In der Produktion und Verwendung des Bühnenbildes steckte viel technische Finesse und Liebe zum Detail.

Vier große Boxen dienten nicht nur als Teil der Kulisse sondern auch als Projektionsfläche der Video-Animationen wie zum Beispiel der Vögel. Foto: Matthias Horn

Ein Lesesaal einer New Yorker Bibliothek ist der Ort, an dem eine stürmische Liebe unter undenkbaren Voraussetzungen beginnt. Wahida und Eitan verlieben sich und sollen doch eigentlich nicht zusammen sein. Sie ist Historikerin und Tochter arabischer Einwanderer in den USA, er Biogenetiker und Sohn einer jüdischen Familie mit Wurzeln in Deutschland und Israel. Der Konflikt ist vorprogrammiert, hat schließlich Jahrhunderte voll Hass, Vertreibung, Krieg und Terror seine Spuren hinterlassen. Die Geschichte erzählt das Familiendrama auf Basis des Romans von dem libanesischen Autor Wajdi Mouawad und wurde von Itay Tiran inszeniert.

Mehr als nur Projektionsfläche

Das Stück wurde im September 2019 im Akademietheater des Burgtheaters in vier Sprachen inszeniert, während vier Lexan-Boxen als Übertitelungsflächen dienen. Doch nicht nur das. Für die Inszenierung werden diese mit Videoeinspielungen gemappt, sind Teil der Kulisse. Die Boxen bewegen sich sowohl horizontal als auch vertikal und drehen sich um die eigene Achse. Sie sind aus 3-4 mm dünnen Lexan konstruiert, und haben eine Tiefe von 1,20 m, eine Breite von 2,80 m und sind 5,00 m hoch und unten offen. Jeweils eine Seite ist mit einer Folie abgeklebt, die restlichen Seiten sind durchsichtig. LED-Streifen in jeder Ecke beleuchten die Darsteller, die zum Teil auch in den Boxen performen.

Alles Synchron

„Eigentlich hätte sich der Bühnenbildner noch größere Boxen gewünscht. Wir haben uns dann aber für ein kleineres Maß entschieden, da wir sonst Probleme beim Transport gehabt hätten“, erklärt Patrick Grandegger, technischer Assistent des Akademietheaters. Sechs Wochen arbeitete die Theaterwerkstätte Arsenal an der Produktion der Boxen, weitere vier Wochen wurde Inhouse in der Probenphase an der Einrichtung und Abgleichung mit den Projektionen gearbeitet. „Eine Herausforderung war die Koordination des Videos und der Bewegung der Boxen. Die Projektoren sind fix eingebaut und auf eine bestimmte Bewegung eingestellt, damit das Bild auf den Boxen bleibt. Es ist deshalb wichtig, dass die Bewegung der Boxen und die Videoinstallation absolut synchron sind“, erklärt Schnürbodenmeister Ronald Ber. Da zeitgleich im Akademietheater tagsüber Proben für ein anderes Stück laufen, muss das Bühnenbild inkl. der Boxen beinahe täglich auf- und abgebaut werden. Der Aufbau nimmt ca. 3-4 Stunden in Anspruch und nach jedem Umbau wird einmal das komplette Zusammenspiel von Video und Bewegung der Boxen getestet, um sicher zu stellen, dass dieses für die Vorführung richtig eingestellt ist.

Marke Eigenbau

Damit die Boxen sich sowohl vertikal als auch horizontal bewegen können, war eine Eigenkonstruktion notwendig. Patrick Grandegger erklärt: „Für die horizontale Bewegung der Boxen wurden HOAC-Flugschienen verwendet. Diese mussten wir umbauen, damit wir die volle Bewegung über die Bühne mit den Boxen schaffen. Der Schlitten der Flugschienen wird mit einem Punktzug gezogen, wobei das 6 mm Drahtseil dupliert wurde, um die horizontalen und vertikalen Bewegungen möglich zu machen. Daran hängt ein 70-kg-Gewicht.“ Für das Mapping mit den Projektoren sind sehr genaue Bewegungen der Boxen notwendig. Um zusätzliche Stabilität und wenig Spielraum für Wackeln zu schaffen, wird die Konstruktion noch durch eine zusätzliche seitliche Führung stabilisiert, bei der ebenfalls HOAC-Flugschienen zum Einsatz kommen. Am Maschinenzug wurde ein zusätzlicher Handkonterzug fixiert, der die Kabel für die Beleuchtung der Boxen mitführt. Auch dabei handelt es sich um Marke Eigenbau. Patrick Grandegger und Ronald Ber waren von Anfang an in die Entwicklung der Boxen, der Technik und der Logistik eingebunden. „Rein auf den Schnürboden bezogen, ist dies eines der aufwendigsten und spannendsten Projekte, die wir bisher gemacht haben. Durch eine gute Planung im Vorhinein, war die Ausführung aber absolut problemlos“, so der Schnürbodenmeister.  (sgl)

 

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite benutzerfreundlicher zu gestalten. Wenn Sie diese Webseite nutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.