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Konzerte mit Filmkomponenten begeistern aktuell ein junges Publikum für Symphonieorchester und klassische Filmmusik. Prospect hat sich das Phänomen genauer angeschaut.

Es ist Freitag, der 21.02.2020. Ins Bruckner Haus in Linz strömen junge Menschen, um für zweieinhalb Stunden einem Symphonieorchester zu lauschen. Der Altersdurchschnitt der Besucher ist maximal 35 Jahre, das Haus ist ausverkauft. Was für viele Konzerthäuser wie eine Traumvorstellung klingt, wird durch ein ganz besonderes Konzert-Konzept, das aktuell verschiedene Veranstalter aufgreifen, zur Realität. Dabei geht es um so genannte Filmmusik-Konzerte, wie es an diesem Abend für die beliebte Kultserie „Game of Thrones“ stattfindet. Die Tournee mit der Filmmusik von „Game of Thrones“ wird von Highlight Concerts aus Deutschland veranstaltet, die aktuell vier solcher Touren gleichzeitig durchführen.

Eventmanagerin Ivyonne Schmellenkamp erklärt: „Junge Menschen haben keine Abneigung dagegen ins Konzerthaus zu gehen oder einem Symphonieorchester zu zuhören. Sie müssen dazu nur einen Zugang finden. Wir verbinden ein erstklassiges Orchester mit toller pompöser Filmmusik, die sie kennen, und ergänzen das durch visuelle Animationen, die die Zuhörer in die Welt des Films eintauchen lässt.“ Das Orchester für „Game of Thrones“ besteht in diesem Fall aus 59 Musikern und 40 Chor-Mitgliedern, die international für diese Tour gecastet wurden und Teil der „Cinema Festival Symphonics“ sind. Gemeinsam mit fünf Technikern und vier Helfern sowie dem Tourmanager sind sie für knapp zwei Monate durch Europa unterwegs.

Visuelle Komponente

Eine Besonderheit dieser Art von Konzerten ist die stark visuelle Komponente. Im Fall von „Game of Thrones in Concert“ wurden Animation eigens für das Konzert erstellt, die Bezug auf die Serie nehmen. Hier werden ganz bewusst keine Original-Aufnahmen gezeigt. „Die Rechte für Aufnahmen von Game of Thrones zu bekommen, wäre sehr schwierig und auch kostenintensiv geworden. Die visuelle Aufbereitung ist aber bei jeder dieser Touren unterschiedlich. Für die Star-Wars-Tour zeigen wir zum Beispiel sehr wohl Original-Aufnahmen“, so Schmellenkamp.

Da die Videos nicht genau auf den Takt der Stücke geschnitten wurden, ist es im Fall der „Game of Thrones“-Tour nicht nötig, diese zu synchronisieren, wobei der Dirigent die Videos aber auf der Leinwand immer im Blick hat. Da die Locations und Konzerthäuser während der Tour immer unterschiedliche Auflagen und Anforderungen stellen, bringt das Technik-Team Leinwände in unterschiedlicher Größe mit. Die Dauer des Aufbaus variiert ebenfalls je nach Location und kann zwischen zwei und vier Stunden dauern. Insgesamt werden fast alle Musiker mit 60 Mikrofonen verstärkt.  Am 21.02.2020 in Linz wurde Musik der Serie aus allen Staffeln der Erfolgsserie gespielt. Die Fans beendeten den Abend mit Standing Ovations.

Eine Welt der Magie

Einen Tag später tummeln sich in der Stadthalle in Wien tausende Menschen in Hogwarts-Schuluniformen, Schals in den Farben ihrer Hogwarts-Häuser und Fan-Pullover und T-Shirts. Zum vierten Mal kommt „Harry Potter in Concert“ nach Wien. Die Besucher sind sogar noch jünger, als sie es am Abend zuvor in Linz waren. Kinder, Jugendliche, Erwachsene – sie alle treffen sich zu einem Abend mit Filmmusik von Patrick Doyls, gespielt vom Pilsen Philarmonica Orchestra. Bei diesem Konzert-Event wird der gesamte Film auf der Leinwand gezeigt. Die Tonspur wurde von der Musik bereinigt und es werden nur die Stimmen (mit Untertiteln auf der Leinwand) abgespielt.

Jegliche musikalische Umrahmung, jedes Instrument das auf der Leinwand zu sehen ist, wird live vom Orchester gespielt. Hier ist es essenziell, dass die Musik genau auf den Film synchronisiert ist. Dazu hat der Dirigent an seinem Pult einen Bildschirm, auf dem der Film mit visuellen Impulsen für den Ton mitläuft. So zeigen große weiße Punkte den Schlag an, rote Linien markieren, wo das Orchester ausklingen soll und grüne, wo es nötig ist einzusetzen. Zusätzlich sind bei dieser Art von Synchronisation die Musiker häufig mit In-Ear-Monitoring ausgestattet, in dem sie auch direkt den Schlag der Musik als Impuls im Ohr haben.

Konzertbesuch – einmal anders

Gleich zu Beginn des Konzerts werden die Zuseher vom Dirigenten aufgefordert, diesen Abend nicht wie ein klassisches Konzert zu betrachten. Er bittet sie zu jubeln, zu buhen, zu lachen und zu jauchzen. Er bittet sie alles, was sie über den Besuch eines Konzerts wissen zu vergessen und die Musik zu fühlen, wirken zu lassen und diese Gefühle auszudrücken. Und genau das passiert auch während des 2,5 Stunden langen Films.

Die Zuseher jubeln dem Orchester zu, fiebern mit den Darstellern auf der Leinwand mit und werden manchmal so sehr von dem Klangteppich davon getragen, den das Pilsen Philarmoncia Orchester bildet, dass sie vergessen, wo sie sich befinden. Auch dieser Abend endet in Standing Ovations, während sich Kinder und Jugendliche beim Hinausgehen darüber unterhalten, dass sie noch nie Musik in dieser Intensität gefühlt haben. Viele von ihnen sind keine klassischen Konzertbesucher oder es ist sogar ihr erstes Mal. Sie schwärmen darüber, dass sie vergessen haben, wo sie sind. Und wie magisch dieser Konzertbesuch war. (sgl)

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