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3 FRAGEN AN: Frank Suttheimer, Technischer Leiter der Oberösterreichischen Landestheater, glaubt, dass die Corona-Krise nicht nur Entschleunigung gebracht hat, sondern auch ein Kommunkations-Verhalten, von dem Einiges bleiben wird.

Serie: Corona-Zeiten: 3 Fragen an ...

Wie gehen Verantwortliche im Bühnen- und Eventbetrieb mit der Krise um. Welche Chancen bieten sich trotz der Herausforderungen? Als  Kooperation von OETHG und SPOTLIGHT-News stellen wir in einer Serie „3 Fragen an ...“


Die Schauspieler*innen unseres Schauspielensembles lesen aus Joseph Roths Reportagen aus Österreich.

Spotlight News: Wie geht es Ihnen und Ihrem Team in der der derzeitigen Situation? Wie bewältigen Sie die schwierige berufliche Zeit? Welche Tipps geben Sie Ihren Kolleg*innen? Die jetzige Situation ist für alle KollegInnen eine sehr fordernde und für viele auch psychisch belastende Zeit.

Suttheimer hellerFrank Suttheiner: Wir, als Beschäftigte eines Landestheaters, haben das Glück, dass unser Lohn, zwar gekürzt, aber doch ausgezahlt wird. Das steht im Gegensatz zu vielen Menschen, die als freie Mitarbeiter oder mit befristeten Verträgen allenfalls einen Bruchteil ihrer Gage erhalten und einer ungewissen Zukunft entgegensehen. Zu dem kommt die Belastung, die sich aus den geänderten Lebensverhältnissen und Änderungen im alltäglichen Tagesrhytmus ergeben. Ich selbst stehe in engem Kontakt zu den Abteilungsleitern der einzelnen Gewerke. Intensiv betrifft dies im Moment gerade den Bereich der Werkstätten und Betriebstechnik. Die Kommunikationswege haben sich geändert. Bauproben, Werkstattabgaben erfolgen jetzt über Videochat, wir nutzen auch eine Software zur Vorvisualisierung von Bühenbildern, die letzte Bauprobe im Schauspielhaus wurde durch AR unterstützt. Wartungsarbeiten werden vorgezogen, eine Sanierung der Bühnenmaschinerie im Schauspielhaus steht im Sommer an. Die Planungen richten sich derzeit auf eine Wiedereröffnung im Herbst, wobei dies auch unter der Berücksichtigung von erneuten Einschränkungen geschieht, die uns im Verlauf des Jahres wieder ereilen können. Derzeit laufen Gespräche, wie die Proben ab Juni, insbesondere unter Berücksichtigung des Gesundheitsschutzes stattfinden können. Dies wird sicherlich für die verschiedenen Sparten differenziert zu betrachten sein. 

Viele Theater, Künstler oder Veranstalter versuchen, mit Initiativen und innovativen Ideen die Corona-Zeit zu meistern. Es gibt TV-Aufzeichnungen, Videos, Chats oder Lesungen aus dem Homeoffice und vieles mehr. Welche Initiativen oder Aktivitäten könnten auch nach der Krise Bestand haben? Welche Ideen haben Ihnen persönlich gutgefallen?

Ich selbst finde es interessant, wenn KollegInnen über ihr berufliches Leben, die Gründe ihrer Berufswahl berichten. Wir arbeiten an und für einen besonderen Betrieb, an dem es sehr um Emotionen geht, und stehen in einem sehr engen Kontakt zu Kollegen und Kolleginnen aus dem künslerischen Bereich. Aufzeichnungen von Produktionen sind halt aus der Konserve –  ein Grund, warum ich in jungen Jahren nur ein halbes Jahr in einem Filmstudio gearbeitet habe.

Wie könnte man nach den Sperrungen möglichst rasch zur Normalität zurückkehren? Wird es die Kultur-Vermittlung in der Normalität, wie wir sie kannten, überhaupt noch geben? Welche Veränderungen sehen Sie mittel- oder langfristig auf uns zukommen?

Wir werden uns an diese Situiation gewöhnen (müssen). Solange es keinen Impstoff gibt, haben wir mit den Restriktionen umzugehen. Es ist damit zu rechnen, dass es zu einem erneuten Anstieg von Erkrankten, einer 2. Welle kommen wird. Für diesen Fall werden voraussichtlich bis dahin gelockerte Maßnahmen wieder strenger gehandhabt, Hygienemaßnahmen wieder erhöht, Abstände verkürzt, Ansammlungen von Menschen situationsabhängig angepasst. Unsere Kommunikation hat sich geändert, ich denke es belibt dabei, dass häufiger der Videochat genutzt wird, und die eine oder andere Dienstreise entfallen kann. Unser Leben hat sich (teilweise) entschleunigt, eigene Prioritäten haben sich geändert. Wir Menschen haben aber auch die Fähigkeit zu vergessen, daher glaube ich, dass unser Leben zwar nicht mehr (ganz) das gleiche sein wird, wie es vor CORONA war, es sich aber auch nicht dramatisch ändern wird, obwohl gerade das in manchen Bereichen dringend nötig, und gerade jetzt dazu ein Anfang zu setzen wäre.

(hst)

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