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Die Geschichte der Puppe Coppélia gehört zu den absoluten Höhepunkten des Ballettrepertoires und ist nun nach langer Zeit wieder auf die Bühne der Volksoper Wien zurückgekehrt – mit einem spektakulären Bühnenbild.

Bühnenbildner Jean-Luc Simonini realisierte gemeinsam mit seinem Team für Coppélia eine Kulisse nach Originalentwürfen. Foto: Volksoper Wien/Barbara Pálffy

Der alte Dr. Coppélius verbringt sein Leben damit, seine Zauberkräfte zu entwickeln – mit mäßigem Erfolg. Sein größter Traum: Coppélia, eine seiner mechanischen Puppen, zum Leben zu erwecken. Das Ballett erzählt nicht nur die Geschichte rund um den Magier und seine Puppen, sondern reflektierte vor allem auch eines: die im 19. Jahrhundert weitverbreitete Begeisterung für Automaten.

Zurück an der Volksoper

1870 an der Pariser Oper uraufgeführt, war Léo Delibes Ballett Coppélia in Wien zuletzt 2006 an der Staatsoper zu sehen. In der Volksoper stand es 1992 in einer Fassung von Susanne Kirnbauer auf dem Spielplan. Die beschwingte, farbenreich instrumentierte Musik von Léo Delibes macht Coppélia zu einem der beliebtesten Ballettstücke in den internationalen Opernhäusern. Die aktuelle Inszenierung in der Volksoper steht dem in nichts nach. Der Franzose Pierre Lacotte choreographiert das Wiener Staatsballett. Als ehemaliger Premier danseur der Pariser Oper und gefeierter Spezialist für die Restaurierung großer Ballettklassiker wie etwa La Sylphide nahm er sich 1973 dieses Werkes an und ergänzte die turbulente Geschichte nach dem Libretto von Charles Nuitter unter anderem um das letzte Bild, welches unmittelbar nach der Uraufführung gestrichen worden war.

Choreografie, Bühnenbild und die Kostüme sind dem ursprünglichen Werk nachempfunden. Foto: Wiener Staatsballett/Ashley Taylor

Das Bühnenbild als Protagonist

Doch nicht nur Lacotte legte seinen Fokus auf Altbewährtes, auch die Kulisse, in der sich Coppélia, Swanilda, Franz und Co. bewegen, lässt das Publikum in eine andere Zeit eintauchen. „Klassische Bühnenmalerei statt modernem Design“ lautet die Devise. Choreografie, Bühnenbild und die Kostüme sind dem ursprünglichen Werk nachempfunden. Die bunten, folkloristischen Kleider erinnern in Zusammenhang mit der liebevoll gemalten Kulisse an ein altes Märchenbuch, dessen Bilder zum Leben erwacht sind. Damit fiel eine bewusste Entscheidung: Weg von moderner Neuinterpretation und zurück zu einer klassischen Darstellung.

Malerei statt Druck

Für das fertige Bühnenbild galt es insgesamt rund 1.600 m2 Bühnenmalerei anzufertigen. Das klingt nicht nur für den Laien nach einer enormen Fläche, auch für die Profis stellte sich hier im Vorfeld die Frage, ob und wie diese zeitgerecht fertiggestellt werden kann. Da eine Produktion in diesem Ausmaß nicht nur ein erheblicher Zeitaufwand, sondern auch kostenintensiv ist, war auch die Anfertigung durch Druck statt Malerei eine Überlegung. Die Entscheidung fiel jedoch schnell eindeutig auf die klassische Malerei, nicht nur, um dem alten Handwerk treu zu bleiben, sondern auch aus praktischen Gründen. Während die Malerei mit Pigmenten in flammgeschütztem Dispersionsbinder auf dem Bühnenprospekt unterschiedliche Deckkraft und Intensität erlaubt, wäre dies trotz ausgefeiltester Drucktechnik nicht möglich gewesen. Das wird vor allem dann relevant, wenn Licht ins Spiel kommt. Im dritten Akt wird der Prospekt von hinten beleuchtet. Die bereits im Vorfeld im Hinblick auf die Beleuchtung dichter und weniger dicht bemalten Stellen erzeugen einen plastischen Effekt, den man mit anderen Techniken so kaum hätte erzeugen können. Die Tatsache, dass man hier komplett „flach“ gemalt hat, sprich ohne Profilleisten, stellt zusätzlich sicher, dass in puncto Licht keine Probleme mit unnötigen Schatten oder Falten auftreten.

Beim Konzeptionsgespräch in der Wiener Volksoper stellt der Bühnenbildner Jean-Luc Simonini sein Konzept vor; bei den eigentlichen Malereiarbeiten im Vorfeld war er ebenfalls anwesend. Foto: Volksoper Wien/Barbara Pálffy

Intensive Zusammenarbeit

Das Bühnenbild der Produktion versteht sich aber keineswegs als Gegenspieler neuer technischer Möglichkeiten, ganz im Gegenteil. So traditionell die optische Gestaltung der Bühne ist, so fortschrittlich war auch die Arbeit im Vorfeld. Basierend auf ersten Entwürfen wurde bereits ein Jahr vor der Premiere eine 3D-Simulation des Bühnenbildes erstellt, welches wiederum als Vorlage für den Bühnenbildner fungierte. Diese Kombination aus Technik und Traditionshandwerk ermöglichte das Überprüfen der richtigen Maße und erleichterte für Tischler und Bühnenbauer das Arbeiten in den exakten Dimensionen. Während am Bühnenbau getüftelt wurde, kam andernorts bereits der Pinsel zum Einsatz. Die Malsäle des Wiener Arsenals wurden zum Atelier von C­oppélias Bühnenmalern. Aus den ursprünglich vorgesehenen zwei bis drei Malern wurden aufgrund der zu bemalenden Quadratmeter bald mehr. So waren teils sieben bis acht Künstler mit der Realisierung der Kulisse beschäftigt. Während dies zwar dafür sorgte, dass sich das Produktionstempo erhöhte, stand man nun vor einem anderen Problem: Trotz genauer Vorlagen hat natürlich jeder Maler seine eigene Handschrift. Um hier den nötigen Überblick zu behalten, verbrachte Bühnenbildner Jean-Luc Simonini einen ganzen Monat in Wien, um sicherzustellen, dass Coppélias Welt ebenso Leben eingehaucht wird, wie ihr selbst.

www.volksoper.at

Text Anna Hausmann

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