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Nach einer Rekonstruktion gehört die Staatsoper Prag fraglos wieder zu den schönsten Opernhäusern der Welt. Die Wiedereröffnung, im September 2020, wird sehnsüchtig erwartet. Tosca, Macbeth und Sleeping Beauty stehen am Programm und die neue technische Ausstattung kann ihre Qualitäten ausspielen.

Die Staatsoper in Prag wurde generalsaniert: Foto: Staatsoper Graz

 Die Staatsoper Prag besticht durch seine kunstvolle Inneneinrichtung im Stil des Neorokoko und die ausgezeichnete Akustik. In einer aufwendigen Rekonstruktion, die drei Jahre dauerte und 51 Millionen Euro kostete, wurde der Originalzustand von 1888 in allen Details wiederhergestellt – von den Fresken bis hin zu dem in den Kriegswirren verloren gegangenen historischen Bühnenvorhang.

Die moderne Ausstattung mit State-of-the-art Technologie schafft eine harmonische Verbindung zwischen alt und neu. Václav Pelouch, Technischer Direktor des Nationaltheaters, beantwortete unsere Fragen zur aufwendigen technischen Neuausstattung des Hauses.

Welche Ton-, Licht- und Bühnentechnik wurde in der Staatsoper installiert?

Zur neuen Bühnentechnik gehört eine neue hydraulische Drehbühne von 14 Metern Durchmesser mit einem oberen und einem unteren Bühnenpodest sowie eine Schrägbühne. Das obere Bühnenpodest ist in 17 separate Podeste unterteilt. 15 davon lassen sich rund 3,3 m über oder unter dem Bühnenniveau auf und ab bewegen und diese Bewegungen sind programmierbar. Die neue Oberbühnenmaschinerie verfügt über 35 Stromschienen mit einer Tragkraft von 500 kg und 8 programmierbare Punktzüge mit einer Tragkraft von 1.000 kg.

Das neue Lichtpult ist eine grandMA3 full-size, mit einer neuen Elektro- und Datenstruktur. Wir nutzen die bestehende, 2013 angeschaffte Lichttechnik. Außerdem haben wir einen neuen Videoprojektor und Videoserver implementiert. Wir haben ein neues 8-teiliges ferngesteuertes Kamerasystem installiert, komplett mit einem Ton- und Videoregieraum, für Live-Streaming von Opern- und Ballettproduktionen. Das neue Beschallungssystem umfasst eine DiGiCo SD7-Hauptkonsole, ein Meyer Sound System, BSS-Prozessoren und eine RTS-Gebäudegegensprechanlage. Das Auditorium ist mit einem neuen Untertitelsystem, ausgestattet mit einem zentralen LED-Panel im Proszeniumsbogen und kleinen, eingebauten Touchscreen-Displays für jeden einzelnen Sitzplatz.

Warum haben Sie sich für diese speziellen Produkte entschieden, was sind ihre Stärken?

Die Staatsoper hat eine Ausschreibung für die neue Ausstattung unter Angabe der erforderlichen technischen Parameter durchgeführt. Die Ausschreibung für die Bühnentechnik gewann Bosch Rexroth, ein renommiertes, erfahrenes Unternehmen. Die Steuerpulte werden von MA Lighting geliefert, die wurden aufgrund ihrer stabilen, flexiblen und weit verbreiteten Technik ausgewählt.

Welches Konzept steht hinter den neuen Anlagen, was wollten Sie erreichen und welche Anliegen hatten die Licht- und Tontechniker?

Was die Bühnentechnik betrifft, so wurden für die alte Bühnentechnik 18 Stangen (250 kg) und 23 elektrische Stangen (350 kg) verwendet. Die Verwendung dieses Systems für die Einstellung der Bühne war sehr zeitaufwendig. Wir wollten es durch ein vollautomatisches System ersetzen, mit dem alle Stangen und die Drehbühne während der Aufführungen ferngesteuert werden können. Mit der Modernisierung können wir unseren Kreativteams nun fast alles bieten, was auf der Bühne technisch möglich ist. Im Hinblick auf die Beleuchtung brauchten unsere Lichttechniker fortschrittlichere Lichtsteuerpulte mit zusätzlichen Funktionen und schnelleren Programmiermöglichkeiten, denn Zeit ist während der Proben entscheidend. Beim Ton war unsere Priorität die Modernisierung der bestehenden Installation und der Übergang von der analogen zur digitalen Ausrüstung.

Sind einige der alten Geräte noch in Gebrauch, zum Beispiel alte Mikrofone?

Ja, es gibt noch Vintage-Beleuchtungsgeräte und DIA-Projektoren. Manchmal ist es ganz nett, sie zu benutzen. In der Tontechnik verwenden wir einige der Originalmikrofone, aber das meiste davon ist neu.

Wie flexibel ist das System? Können/wollen Sie es für verschiedene Produktionen skalieren oder modifizieren?

Das System ist sehr flexibel und bietet viele Optionen. Wir hoffen, dass es Regisseuren und Bühnenbildnern helfen wird, frische Ideen ans Set zu bringen. Es für verschiedene Produktionen zu skalieren oder zu modifizieren ist möglich, aber wir haben Opern- oder Ballettproduktionen an sechs Tagen in der Woche, so dass das Opernhaus normalerweise mit Aufführungen beschäftigt ist. Der Ton kann für jede Oper, jedes Ballett oder klassisches Konzert angepasst werden.

Welche Komplikationen gab es bei der Installation der neuen Geräte im historischen Gebäude?

Die größte Herausforderung bestand darin, ein Loch zu graben, das 6 Meter tiefer war als das vorherige, und zwar für die Untermaschinerie der Bühne und die statische Sicherung der Wände der Hauptbühne.

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