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Im Sommer 2019 weckten die Bregenzer Seefestspiele den Clown zum Leben. Anbei die technsichen Details.

Serie: Rigoletto-Kulisse auf der Seebühne Bregenz

Das Festspiel-Werbemotiv für Rigoletto mit einer Collage aus angedeutetem Zirkuszelt, bunten Fähnchen, Clowngesicht mit Rüschenkragen und weiteren Gegenständen gibt bereits jetzt einen phantasievollen Hinweis auf das Bühnenbild-Aussehen. Die ersten Kulissenteile sind im Entstehen.


Der Fesselballon misst 13 Meter im Durchmesser und ist mit 1300 Kubikmeter Helium gefüllt. Foto: Herbert Starmühler

Die "Hand Lindau"

Die Hand Lindau beinhaltet acht Achsen, die von hydraulischen Schneckenantrieben betätigt werden. Die Hand kann im Grundgelenk gedreht und gekippt werden. Kleiner und Ringfinger lassen sich über je eine Achse biegen und strecken, Mittel- und Zeigefinger über je zwei Achsen. Mit dieser Beweglichkeit kann die Hand eine Vielzahl von ausdruckstarken Gesten erzeugen und das lebendige Bild des Clownskopf ergänzen. Die Hand Lindau misst im ausgestreckten Zustand 11 m vom Handgelenk bis zur Mittelfingerspitze, 5,4 m in der Breite und 2,9 in der Tiefe. Die Stahl- und Aluminiumkonstruktion ist mit Holz verkleidet und Styropor kaschiert. In der Handinnenfläche und dem Handrücken eingearbeitete Leitern und Treppen ermöglichen es, dass Darsteller darauf klettern und spielen. Gesichert sind sie dabei entweder über feste Anhängepunkte an den Fingerspitzen oder über eine Sicherungsschiene mit Fallstopgleitern. Unter der Hand befindet sich die kreisrunde Handkrause aus Betonfertigteilen, die über 12 Holzpiloten im Seegrund verankert sind. Die Handkrause ist in der gleichen, bunt geringelten Optik wie der Kragen gehalten und dient als Spielfläche. Die Hand Lindau wird szenisch vielfältig eingesetzt. Ausgestreckt dient sie als Brücke, welche die Handkrause und den Kragen überspannt. Dicht an den Unterkiefer de Kopfes herangefahren bildet sie einen Abgang aus dem Mund. Während der Arie "Donna è Mobile" trägt sie vier Stuntfrauen, angeseilt an die vier Fingerspitzen.

Der Ballon

Auf der anderen Seite der Bühne hält die "Hand Bregenz" den Ballon fest. Der Fesselballon misst 13 m im Durchmesser und ist mit 1300 m³ Helium gefüllt. Hülle und Korb sind jeweils an einem zentralen Metallring ("Loadring") befestigt. Das Helium entwickelt einen Auftrieb von >600 kg, so dass nach Abzug des Eigengewichts von Hülle, Korb, Elektronik und den Halteseilen immer noch genug Kraft übrigbleibt, um bis zu 3 Darsteller in die Höhe steigen zu lassen. Damit der Ballon stets seine runde Form behält, ist er im Inneren zweigeteilt. Das Helium füllt den oberen Bereich des Ballons, im unteren ist das sogenannte "Ballonet" mit Luft gefüllt. Der Druck dieser Luftblase wird durch automatisch kontrollierte Lüfter und Ventilklappen konstant gehalten. Dadurch werden Druckänderungen im Helium durch Temperaturschwankungen ausgeglichen und es wird verhindert, dass der Ballon "schrumpft" oder in einen Überdruckbereich gerät. Die vertikale Begrenzung des Hubs geschieht durch eine zentrale Elektrowinde mit Stahlseil. Die Zentralwinde ist in der Hand Bregenz versteckt und lässt den Ballon bis zu 45 m in die Höhe steigen.  Da die Inszenierung spektakuläre Stunts und Abseilaktionen zwischen Ballonkorb und Kopf vorsieht, muss der Ballon auch horizontal fixiert werden. Dafür wurden drei weitere sternförmig um den Ballon herum angeordnete Winden eingesetzt. Bis zu einer Windgeschwindigkeit von 30 km/h kann der Ballon mit Personen betrieben werden. Bei kräftigerem Wind muss der Ballon in die Sturmsicherungsposition gefahren werden: Mit sechs zusätzlichen Seilen wird die Hülle verzurrt und der komplette Ballon durch drei Niederspannseile fest auf die Hand Bregenz niedergepresst. In diesem Zustand soll der Ballon Stürme bis 100 km/h überleben können.

Steuerung

Die Ansteuerung im Sicherheitsintegrationslevel 3 der Komponenten Kopf, Hand Lindau und Kragen erfolgt im Steuerstand unterhalb des Kragens. 29 Achsen werden von redundanten Achsrechnern angesteuert, die Programmierung und Auslösung der Fahrbefehle erfolgt durch zwei Konsolen mit jeweils zwei Touchscreens. Bei Ausfall der Zentralsteuerung oder für Montage- und Wartungszwecke ist jede Achse einzeln über eine zusätzliche Steuerungsbirne kontrollierbar. Im szenischen Betrieb wird das Bild von 10 Kameras auf Großbildschirmen in den Steuerstand übertragen und gibt den Pultfahrern Einblick auf die Bewegungen und Gefahrenstellen. Zusätzlich überwachen mehrere Techniker mit Zugriff auf Not-Halt-Tastern die Fahrten auf der Bühne. Die Ballonsteuerung dagegen erfolgt separat. Jede der vier beteiligten Winden wird einzeln manuell über einfache "Auf / Ab" Steuerungen bedient. Die Abstimmung der Winden untereinander erfolgt durch Funkabsprache über den Ballonpiloten.

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