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Nur wenige kommen derzeit in den Genuss, Live-Konzerte im Konzertsaal anzuhören. Umso mehr Klassikfans nutzen daher Video-Streaming-Angebote im Internet. Das Angebot ist vilefältig und reicht von kostenlosen selbstgemachten Videos bis zu hochwertig produzierten kostenpflichtigen Streams. 

An einer Streamingaufzeichnung, wie sie fidelio anbietet, werken Regieteams, die bereits jahrelang zusammenarbeiten. Foto: fidelio

Onlinekonzerte, Theater-Livestreams oder Chorproben - Lange Zeit war Digitalisierung für Opernhäuser, Konzertsäle und Museen allenfalls ein Nebenschauplatz. Seit Corona jedoch findet das Kulturleben vermehrt im Netz statt.  Das Coronavirus hat große und kleine Theater fest im Griff, während viele Häuser geschlossen bleiben, können andere nur ein angepasstes und verkleinertes Programm zeigen. Portale wie Medici.TV, takt1 oder fidelio feiern zurzeit große Erfolge, da sie Streams in hoher Audio- und Video-Qualität anbieten. Auf dem Portal fidelio (www.myfidelio.at) finden sich nicht nur Klassiker wie Konzertmitschnitte von Abenden mit Nicolaus Harnoncourt, Leonard Bernstein oder Martha Argerich, sondern vor allem aktuelle Produktionen zum Nachsehen.

Seit Kurzem streamt „Fidelio” Erfolgsstücke der Wiener Volksoper in das Wohnzimmer von Opernfans - darunter „Axel an der Himmelstür” von Ralph Bentzjy, der Operetten-Klassiker von Emmerich Kálmán „Die Csárdásfürstin” oder Johann Strauß’  „Der Zigeunerbaron”. Georg Hainzl, Geschäftsführer von „fidelio“ ist stolz, der Volksoper mit fidelio eine “Ersatzbühne” bieten zu können, wie er sagt: „Auch wenn es nur ein Auszug des umfassenden Programms der vergangenen Jahre ist, soll es unser Engagement für die heimische Kulturszene unterstreichen und Abwechslung in die heimischen Wohnzimmer bringen.“ Stets vorne dabei ist ORF3-Produktionsleiter Hans-Jürgen Gökler. Als solcher verantwortet er einen Großteil der Streaming-Aufnahmen, die auf dem Online-Portal ausgestrahlt werden.  Eine der größten Herausforderungen, erzählt Gökler, liegt beim Streaming von klassischen Musikabenden darin, fernsehtauglich zu produzieren. Schließlich wollen Emotionen der Musiker und Darsteller eingefangen werden. Eine langweilige Totalaufnahme hingegen interessiere niemanden. 

Musikspezialisten am Werk

An einer Streamingaufzeichnung, wie sie fidelio anbietet, werken Regieteams, die bereits jahrelang zusammenarbeiten. Unter ihnen sogenannte camera operators, also Mitarbeiter, die die Kameras steuern, Regisseure und Partiturassistenten. Die Partiturassistenten sind meist selbst Musiker, schließlich müssen sie perfekt Noten lesen können, um Instrumental-Einsätze oder Höhepunkte in der Musik richtig und rechtzeitig zu erkennen und Schnitte zu planen. Sie bereiten die Einstellungen und rund 600 Schnitte pro Aufzeichnung so vor, dass auf Abruf geschnitten werden kann. 
Drei bis vier Wochen vor einer Premiere bekommt der Aufnahmeleiter ein Skript und eine Partitur mit Strichen, inklusive aller geplanten Auf- und Abgänge der Darsteller und Mitwirkenden einer Produktion. Sobald die Proben im Opernhaus beginnen, bekommt das Produktionsteam einen Probenmitschnitt. In der Generalprobe ist das Team im Opernhaus bzw. Im Konzerthaus zugegen, um Kamerapositionen zu korrigieren, Schnittbilder zu erstellen oder das Licht zu überprüfen und gegebenfalls nachzujustieren, erzählt Gökler:  „Oft ist das Licht in einer normalen Aufführungssituation nicht für Aufnahmen geeignet, dann versuchen wir mit dem Opernregisseur und dem Beleuchtungstechniker bzw. Lichtmeister das Licht so zu korrigieren, dass wir in der Live-Situation gute Aufnahmen realisieren können.”

Meist stehen in den Konzertsälen und Opernhäuser Räume für das Produktionsteam zur Verfügung, die Platz für etwa 15 Personen bieten (neben Regisseur, Partiturassistent und Operatoren, sind das Bildtechniker und Grafiker, die Untertitel einblenden oder Tonmeister). Einzige Ausnahme bildet die Wiener Volksoper. Hier gibt es im Opernhaus keinen zusätzlichen Raum, weshalb das Produktionsteam vor dem Opernhaus in drei aneinandergereihten Containern Platz nimmt um die Live-Veranstaltung zeitgleich ins Internet zu übertragen. 

Ferngesteuertes Aufzeichnen der Superlative 

Acht bis zehn remote, also ferngesteuerte, Kameras sind bei einer Aufzeichnung in den Sälen und im Orchester platziert. Spezialstative stehen zwischen den Musikern, meist auf Höhe der Bläserlinie oder aber bei den Celli, um so das Gros der Streicher abzubilden. Kameras bei den Pauken oder Kontrabässen dienen dazu, den Dirigenten einzufangen. Das gelte auch für den Ton. Hier werden die Fidelio-Mitarbeiter von Tontechnikern des ORF und Ö1 unterstützt. Doch, im Gegensatz zu anderen Aufzeichnungen wie etwa dem Neujahrskonzert im Wiener Musikverein, sitzen die Kameraleute bei fidelio nicht im Saal an den großen Kameras, sondern das gesamte Team befindet sich an einem Regieplatz außerhalb des Geschehens. 

„So können wir reduziert und unbemerkt arbeiten, ohne Plätze zu sperren, Aufmerksamkeit im Publikum zu erzielen oder die Sicht der Zuschauer zu beschränken”, so Gökler. Ein Ausnahmefall war die Zeit des Lockdowns. „Aufgrund des ausbleibenden Publikums, konnten wir uns im Raum freier platzieren und zusätzliche Kamerapositionen einnehmen, ohne Rücksicht auf Zuschauer zu nehmen. Wir konnten unsere Panasonic-Geräte bestmöglich einsetzen.” 

Der einzige Nachteil liege im Moment noch darin, dass komplizierte Kamerafahrten, wie sie etwa Sportveranstaltungen verlangen würden, mit remote-Geräten noch nicht möglich seien, erklärt Gökler. „Aber wir arbeiten daran, Seilkameras und spezielle Seilzüge zu entwickeln, um Querfahrten und somit schöne dramaturgische Einstellungen anbieten zu können.” (est)

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