koop oethg

Das „Gran Teatro de la Habana“ in Havanna ist auf Lebenszeit mit ihrem Namen verbunden und wird heute noch von ihr geleitet – Alicia Alonso, ein mit zahlreichen Orden, Medaillen und Preisen ausgezeichneter Ballet-Star. Ein Lebenswerk.

Alicia Alonso, die Grande Dame des iberoamerikanischen Balletts ist mit 98 Jahren noch Theaterdirektorin in Havanna. Foto: Armand/BNC

Egal, ob Beleuchter, Bühnentechniker oder Choreograph auf Kuba, alle kennen Alicia Alonso. „Alicia“, wie sie von der halben Nation und vor allem von den Mitarbeitern und Freunden des nach ihr benannten „Gran Teatro de la Habana“ gerufen wird, ist „Dirección General“, Generaldirektorin der 1. Bühne des Landes. Und sie ist 98 Jahre alt. Geboren in Havanna, in einer anderen Zeit.

Tanzen trotz Grenzen

Ihre sagenhafte Karriere begann im Jahr 1931, mit elf Jahren. Eine schwerwiegende Augenerkrankung zwangen Alicia Alonso jedoch bald danach zu Operationen und Bettruhe. Die anfänglichen Erfolge waren vorerst getrübt. Doch Alonso kämpfte sich zurück zur Weltspitze, trotz einer Beeinträchtigung ihres Augenlichts „wie in einem Nebel“. Bei manchen Aufführungen wurden Seile zur Begrenzung und Orientierung gespannt, oftmals mussten die Scheinwerfer ordentlich aufgedreht werden, um genügend Raumwahrnehmung zu ermöglichen.
Alicia Alonso wurde für ihre dramatische Akzentuierung und ihre puristische Technik berühmt. Und sie wurde zur begehrten Choreographin. Am Abend des 21. März 1980 gab man in Wien an der Staatsoper „Giselle oder Die Wilis“. Choreographie, Inszenierung und die choreographische Einstudierung: Alicia Alonso. Da traf es sich gut, dass ihr kubanischer Landsmann, der Ballettstar Carlos Gacio, schon seit langem in Wien engagiert war. Er wurde ihr Assistent in Wien.

Kampf der Technik

Beleuchter und Tontechniker in Kubas Theatern haben dasselbe Problem wie andere Branchenvertreter auf der Insel des real existierenden Kommunismus: Es gilt, fehlende Finanzen mit Improvisationstalent wettzumachen. „Man kann die Ausstattung nicht mit Europa oder USA vergleichen, aber die Techniker bemühen sich umso mehr, das Fehlende auszugleichen“, erzählt Carlos Gacio, der ehemalige Ballettmeister aus Wien. Wobei es nicht nur um Geld geht – viele Materialien sind aufgrund des Wirtschaftsembargos gegen Kuba schlichtweg nicht zu bekommen. So verwundert es nicht, wenn Freunde der Kunst in ihren Reisekoffern oft auch elektronische Teile mitführen, wenn sie nach Kuba einreisen. Nur so können Reparaturen der technischen Komponenten bewerkstelligt werden. Doch die Begeisterung des Publikums wiegt vieles auf. Und das Publikum ist jung: Leute unter 30 sieht man in den oft ausverkauften Theatern häufig, Ballett steht höher im Kurs als anderswo. Einen großen Teil dazu hat Alicia Alonso beigetragen.

Von Herbert Starmühler

Mehr über den Lebensweg, die Karriere und die Herausforderungen von Alicia Alonso in der kommenden PROSPECT Ausgabe 2-19.

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite benutzerfreundlicher zu gestalten. Wenn Sie diese Webseite nutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.